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Der Winter ist da. Endlich. Eiskalt, frostig und gemein.
Der Schnee fällt nicht friedlich, es ist nicht ruhig. Es ist totenstill. Gelegentlich hört man den Wind heulen, die Kälte klirrt. 
Ich kann meinen Atem sehen. Ich lebe. Es steht nichts still. In diesem Jahr frieren wir nicht ein. Weitergehen, weitermachen, nicht umsehen. Nicht jammern. Wir wussten, dass es so kommen würde. Wir sind vorbereitet. Winterreifen. 
Ich habe zwei Schals um den Hals gewickelt und meine Mütze so tief ins Gesicht gezogen, dass ich lediglich geradeaus schauen kann – und das ist gut so, das ist richtig. Das ist kein Winterwonderland. Weihnachten ist längst vorbei. Ein neues Jahr. So viele Pläne, Ideen. Lasst sie uns in den weißen Schnee schreiben. Nur jetzt haben wir die Chance den See auf kürzestem Weg zu überqueren. Du musst nicht mehr drumherum. Das ist eine Chance. Renn! Denn irgendwann wird das Eis brechen. 
 
Ich schreibe wieder. Und ich wollte euch das heute, zum Sonntag, nicht vorenthalten. Ich schreibe. Lerne. Plane. Und ich bin stolz, dass es vorangeht, dass ich mich finde, weiß was ich will.
Viele von euch stehen gerade vorm Abitur, vor der großen Abschlussprüfung. Ich erinnere mich so gut, so gern an diese Zeit. Und weiß noch zu gut, wie schwer es ist, wenn man nicht weiß, in welche Richtung man gehen, rennen möchte. Von allen Seiten ruft jemand, zieht jemand, drängt jemand. Zu viele Wegweiser, zu holprige Wege, die Karte hat so viele weiße Flecken. Nein, das ist nicht der Schnee!
Aber bitte, macht nicht den gleichen Fehler wie ich, und bleibt stehen. Schlagt irgendeinen Weg ein, dann eben erstmal ohne Kompass. Ich habe meinen jetzt, nach einem Jahr, gefunden.
Und ich weiß jetzt, dass ich Hüte liebe, dass die Farbe blau endlich das dunkle rot aus meinem Kleiderschrank ablösen wird und dass ich auch mit Absätzen auf Eis laufen kann. Der Schnee, die Zweifel, die vielen Briefe und Dokumente, die Anschuldigungen, die Tränen, der Schmerz und diese klirrende Kälte  – das alles macht mir nichts mehr aus.

 

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