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„Bist Du wegen ihm zurück gekommen?“, fragt sie.
Die Frage stand schon eine Weile im Raum. Und ich war froh, dass sie bisher unausgesprochen geblieben war.
„Nein!!!“, schießt es aus mir heraus und ich schüttle energisch den Kopf. „Nein, absolut nicht.“, beteuere ich und sage nichts weiter dazu. Meine Gedanken überschlagen sich allerdings. Weil: Vielleicht. Vielleicht bin ich wegen ihm zurück gekommen. Ganz sicher, weil er mich auf die Idee gebracht hat. Ja, vielleicht. Ja. Ja, bin ich.
Sie bohrt nicht nach. Und ich bin ihr dafür so dankbar.
Ich habe ihn ein paar Mal gesehen seitdem ich zurück bin. Aber das war’s auch. Enttäuscht. Das kann ich nicht leugnen.

„Das ist eine großartige Vorstellung, und wir alle streben danach: Glück. Das ist aber tatsächlich kontraproduktiv, vor allem für Kreative. Wenn man die ganze Zeit Glück empfindet, kommt man nicht weit.“ – es war einer meiner besten Freunde, der mich mit einem Zeitungsartikel daran erinnern muss. Daran, dass es okay ist, traurig zu sein. Und allein. Enttäuscht. Das es wichtig ist. Vor allem für mein Talent. Für das, was ich tue.
Ich lache. Laut und viel.
Aber ebenso viel weine ich. Denke ich nach. Zerbreche mir den Kopf. Und das Herz.
Zumindest war es immer so. Bevor ich nach New York kam.
„Luise, es ist vollkommen okay, traurig zu sein. Nichts zu machen. Den ganzen Tag nur im Bett zu liegen. Auch in New York.“

Ich weiß, dass er recht hat.
Allein sein ist okay. Und wichtig. Damit ich mich finde. Immer wieder. Damit ich schreibe. Immer weiter. Ich muss allein sein. Ich muss verletzt werden.
Ich brauche Aufregung und Gefühle, Emotionen.
Das ist das Material, aus dem ich Metaphern forme. Lebenselexier. Nur so kann ich Seiten befüllen.
Und dafür muss ich – gelegentlich zumindest – aus diesem wilden Karussell aussteigen, durchatmen. Gefühle zulassen. Enttäuschung Platz machen. Tränen. Wut. Aufhören zu Lächeln. Echt sein. Echt fühlen.
Bist Du wegen ihm zurück gekommen?

Zwei Tage, an denen ich nur im Bett lag und weinte, und eine vollgestopfte Woche, in der ich mir nicht eine freie Minute genehmigte, später:
laufe ich die Park Avenue hinunter. Die Sonne steht tief. Hupende Autos. Ich habe einige Stunden im Central Park verbracht. Einfach so. Ich überlege, ob ich endlich Mal aufs Empire State Building gehen sollte. Oder mich in der Grand Central Station hinstellen und das Treiben um mich genießen sollte. Oder auf die Highline? Sollte ich einfach durch das Meatpacking District flanieren und sehen, was passiert?
Ich laufe. Ohne Ziel. Ohne jemanden an meiner Hand. Und ohne irgendjemanden in meinen Gedanken. Und ich begreife: ich bin nicht wegen ihm hier. Ich bin nicht hier, weil mir irgendwer irgendwann Mal das Herz gebrochen hat. Ich bin nicht hier, weil ich nicht weiß, wo ich sonst hin soll. Ich bin nicht hier, weil es nach außen aufregend aussieht und tolle Fotos bringt.

Ich bin hier. Wegen: New York. 
Einzig und allein.
Und es bricht mir das Herz, wenn ich nur daran denke, dass die Trennung kurz bevor steht.
Und ich werde wieder kommen.
Immer wieder.
Wegen: New York.
Einzig und allein.

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Kommentare

  • Ich liebe es, wie du deine Blogposts schreibst. Eine tolle Abwechslung zu dem Schreibstil vieler anderer Blogger!

    Ich hoffe, dass du deine restliche Zeit in New York trotz allem noch genießt und ich plane momentan einen Trip nach New York für das nächste Jahr und deine Bilder machen wirklich Lust auf New York ((:

    Liebe Grüße
    Tabea
    https://bytabea.wordpress.com/

    4. Juli 2016
  • Dein Text hat mich traurig gemacht. Wo bist du denn aber allein? Du hast uns und wir begleiten dich überall hin, versprochen.

    Alles Liebe http://www.selinsfashiondiary.blogspot.de

    4. Juli 2016
  • Und das kann ich soooo gut nachvollziehen…

    4. Juli 2016
Seiten:1 2 3 63
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