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„Ich weiß, was ich will!“, schreie ich ihn an.
„Ach ja? Was denn?“, schmettert er mir entgegen und sieht mich an. Lange. Herausfordernd.
Stille. Angespannte Stille.
Mir steigen die Tränen in die Augen. Gerade war ich noch so stark und sicher. Und diese zwei Worte zusammen mit einem Fragezeichen lassen mich zusammenbrechen.
„Siehst Du! Verdammte scheiße!“, er dreht sich um und geht. 

Ich bin die, die einen Plan hat. Ich stelle Gruppenprojekte vor. Ich mache den 1. Schritt. Ich packe mit an. Ich bin die, die weiß, wo es langgeht oder immerhin, wo der Kompass ist. Ich verdiene mein eigenes Geld. Ich bin erfolgreich, sagt man. Die Tipps gibt und wertvolle Ratschläge. Ich muntere auf und treibe an. Ich laufe vorneweg und habe eine Taschenlampe dabei. Und dabei trage ich beigefarbene High-Heels und einen altrosanen Mantel. Ich trage meine blonden Löckchen und strahle in die Kamera.
Ich habe ein Image. Klar. Und es ist auch klar, dass ich dafür selbst verantwortlich bin.
Und ich muss sagen: das alles stimmt. Meistens. Ich schminke mich auch, wenn ich nur zum Sport gehe und ich kann es nicht leiden, wenn meine Haare nicht gestylt sind. Ich bin fleißig und zielstrebig und energisch.
Ich war Lehrerliebling und Klassensprecherin. Ich setze mich ein für gute Werte, achte darauf vorbildlich zu agieren und meine Fingernägel sind immer frisch lackiert.

Ich bin die Blondine in all‘ den typischen, klischeebehafteten Hollywood Teenie-Streifen. Ich trage gern rosa.Doch was viele dabei vergessen: Perfektionismus ist anstrengend. Und deswegen bricht man gelegentlich aus:
Ich also mit 15 rauchend an der Elbe. Bloß gut, dass meine Mama damals nur die Zigarette, nicht aber das Bier in der anderen Hand gesehen hat.
Mit 18, Abitur – und ich heulte mich jeden Abend in den Schlaf. Gegen 2:30 Uhr. Weil ich keinen Bock mehr hatte.
Und dann: New York. Und Partys. Lange Nächte. Kurze Röcke. Shots! Und wieder! Und weiter! Das hat nichts zu bedeuten!

Ich kann es ihm nicht übel nehmen. Es verunsichert, wenn ich plötzlich ausbreche. Wenn ich nach wochenlanger Disziplin zusammenbreche. Oder anfange zu tanzen. Wie verrückt. Oder einfach nur noch weine. Es verunsichert. Ich weiß. Mich auch.

Deswegen will ich das jetzt öfter machen: die Kontrolle verlieren. Und dann vielleicht für einen Tag oder ein paar Stunden und nicht direkt und vollkommen. Sondern geregelt. Geregelt die Kontrolle verlieren. Zügel lockern, aber nur soweit, – dass ich sie kurz danach wieder anziehen kann. Ausgleich. Abwechslung. Und es ist okay, wenn der Nagellack am kleinen Finger nicht mehr perfekt ist. Es ist okay, die Lösung nicht zu wissen. Man muss dann nicht stundenlang in der Bibliothek, in Erinnerungen versinken, um einen Ansatz zu finden. Vielleicht ist es sogar gut. Vielleicht heißt das letzten Endes doch zu leben. Wenn es möglich ist, dann habe ich in diesem Jahr das gemacht, worauf ich Lust hatte – davon ziemlich viel. Und das hat sich großartig angefühlt.

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Kommentare

  • Toller Text, ein bisschen Rebellion schadet keinem guten Mädchen 😉 ich liebe onepiece auch abgöttisch ,die Teile sind stylish und hübsch .

    Alles Liebe http://www.selinsfashiondiary.blogspot.de

    14. Dezember 2016
  • Wow habe Gänsehaut beim Lesen bekommen! Finde mich total wieder in dem Text.

    Liebe Grüße
    Johanna von http://www.missrapunzel.com

    14. Dezember 2016
  • Hallo Luise
    Das ist ein Thema, das mich oft beschäftigt. Loslassen. Die eigenen Erwartungen nicht erfüllen. Die der anderen schon gar nicht. Ausreissen. Nicht ich sein – das ich, das ich selbst erschaffen habe.
    Dann, wenn alle sagen: „Ach, Jasmin? Die packt das. Die packt doch alles, was sie sich vornimmt“ zu schreien und zu poltern und es NICHT zu packen. Weil ich das auch kann. Einmal ausbrechen aus dem Käfig, den man sich selbst gebaut und und in dem man sich eigentlich auch eingerichtet hat und den man eigentlich will. Ich will mein Leben im Griff haben, ich will die Verantworung, die ich trage, ich will das Strahle-Mädchen sein und immer optimistisch und ich will mich kümmern. Und dann gibt es Tage, an denen trägt man die ganze Welt auf den Schultern. Und dann breche ich aus. Oder auch nicht. Mal so und mal so. Und langsam lerne ich, dass auch das in Ordnung ist. Auszubrechen und es nicht zu tun. Brav zu sein und das Leben immer wieder in den Griff zu bekommen, in den Käfig zurückzukehren. Fliegen. Und landen.
    LG Jasi
    http://www.marmormaedchen.ch

    14. Dezember 2016
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