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Sprünge
WEIßT DU EIGENTLICH, WIE OFT ICH WEGEN DIR WEINE?

damals (ist gar nicht so lange her)
„Manchmal trennen sich die Wege eben. Ich habe die Hoffnung verloren, dass wir das wieder hinkriegen. Weißt Du?“, hast Du gesagt und gefragt und mich mit großen Augen angesehen. Ich weiß nicht, ob Du jemals zuvor so ehrlich zu mir gewesen bist. Und dann habe ich Dir Mut gegeben, als würde ich Dir eine Dose Pfefferminzbonbons hinhalten. Das war der Sommer vor drei Jahren. Ich hatte so viel Liebe in mir und Zuversicht. Also habe ich den Satz überhört, ihn trotzdem verinnerlichend versucht, Dir von meiner Hoffnung abzugeben. Du hast Dir einen Drops herausgenommen und mich zufrieden angesehen. Die Sonne hat geschienen an jenem Tag.
Aber gesagt hast Du es trotzdem. Gemeint hast Du es trotzdem. Gehört habe ich es trotzdem.
„Ich habe die Hoffnung verloren“, hallt es noch immer nach. Die Hoffnung hast Du verloren wie einen Geldschein. Kurz bedauert und bist dann weiter gegangen. In der Hoffnung, dass sich derjenige, der ihn findet, etwas Schönes davon kauft. Nicht beabsichtigt, aber nicht genug bedauert, nicht wirklich danach gesucht und dann: hingenommen.

 

immer (klingt so brutal, wie es sich anfühlt manchmal)
Du hast nie „Ich bin stolz auf Dich“ zu mir gesagt.
Nicht ein einziges Mal. Vielleicht kann ich mich nicht mehr daran erinnern, es ist schon so viele Jahre her. Und ich weiß, dass Du es manchmal fühlst – ganz sacht – und willst. Aber du hast es nie gesagt und ich habe irgendwann aufgehört, danach zu streben, und wieg mich seither in der Gewissheit, dass Du es mal gewesen bist und das reichen kann und muss und wird.
Du hast von Sprüngen gesprochen – bist aber neben dem Trampolin stehen geblieben.

Ich bin immer weiter gesprungen und höher und war mir ganz sicher, dass der Schwung seit einigen Jahren von Dir gekommen war. Bin immer höher gehüpft, weil ich wusste, dass ich Dich nur dort treffen kann. Du hast uns ziehen lassen. Du hast den Schmerz in Kauf genommen, damit wir irgendwo da draußen, irgendwo da oben, frei sein können.
Du hast die Stützräder einfach abgeschraubt, ohne mich vorzuwarnen.
Weil Du wusstest, ich würde es schaffen. Ich musste. Und ich habe. Und seitdem spring ich immer wieder ins kalte Wasser, ohne vorher meinen kleinen Zeh hineinzuhalten. Weil das abhärtet – das hast Du mir so beigebracht.
Dann stand ich in dem winzig kleinen Badezimmer, noch kleiner und allein und nass, und ich habe stumm geweint. Und du vor der Tür hast es trotzdem gehört – und dich nicht bewegt. Bestraft für die Wahrheit.
Du wurdest nicht vorbeigelassen. Es war nicht Deine Schuld.

damals (ist gar nicht so lange her)

„Manchmal trennen sich die Wege eben. Ich habe die Hoffnung verloren, dass wir das wieder hinkriegen. Weißt Du?“, hast Du gesagt und gefragt und mich mit großen Augen angesehen. Ich weiß nicht, ob Du jemals zuvor so ehrlich zu mir gewesen bist. Und dann habe ich Dir Mut gegeben, als würde ich Dir eine Dose Pfefferminzbonbons hinhalten. Das war der Sommer vor drei Jahren. Ich hatte so viel Liebe in mir und Zuversicht. Also habe ich den Satz überhört, ihn trotzdem verinnerlichend versucht, Dir von meiner Hoffnung abzugeben. Du hast Dir einen Drops herausgenommen und mich zufrieden angesehen. Die Sonne hat geschienen an jenem Tag.
Aber gesagt hast Du es trotzdem. Gemeint hast Du es trotzdem. Gehört habe ich es trotzdem.
„Ich habe die Hoffnung verloren“, hallt es noch immer nach. Die Hoffnung hast Du verloren wie einen Geldschein. Kurz bedauert und bist dann weiter gegangen. In der Hoffnung, dass sich derjenige, der ihn findet, etwas Schönes davon kauft. Nicht beabsichtigt, aber nicht genug bedauert, nicht wirklich danach gesucht und dann: hingenommen.

immer (klingt so brutal, wie es sich anfühlt manchmal)
Du hast nie „Ich bin stolz auf Dich“ zu mir gesagt.
Nicht ein einziges Mal. Vielleicht kann ich mich nicht mehr daran erinnern, es ist schon so viele Jahre her. Und ich weiß, dass Du es manchmal fühlst – ganz sacht – und willst. Aber du hast es nie gesagt und ich habe irgendwann aufgehört, danach zu streben, und wieg mich seither in der Gewissheit, dass Du es mal gewesen bist und das reichen kann und muss und wird.
Du hast von Sprüngen gesprochen – bist aber neben dem Trampolin stehen geblieben.

 

Ich bin immer weiter gesprungen und höher und war mir ganz sicher, dass der Schwung seit einigen Jahren von Dir gekommen war. Bin immer höher gehüpft, weil ich wusste, dass ich Dich nur dort treffen kann. Du hast uns ziehen lassen. Du hast den Schmerz in Kauf genommen, damit wir irgendwo da draußen, irgendwo da oben, frei sein können.
Du hast die Stützräder einfach abgeschraubt, ohne mich vorzuwarnen.
Weil Du wusstest, ich würde es schaffen. Ich musste. Und ich habe. Und seitdem spring ich immer wieder ins kalte Wasser, ohne vorher meinen kleinen Zeh hineinzuhalten. Weil das abhärtet – das hast Du mir so beigebracht.
Dann stand ich in dem winzig kleinen Badezimmer, noch kleiner und allein und nass, und ich habe stumm geweint. Und du vor der Tür hast es trotzdem gehört – und dich nicht bewegt. Bestraft für die Wahrheit.
Du wurdest nicht vorbeigelassen. Es war nicht Deine Schuld.

– Sie hat mir beigebracht, Menschen in Schutz zu nehmen, und Du warst das Übungsbeispiel. Ich habe Mitgefühl gelernt, learning by doing statt Nachahmung – und seit jeher erfinde ich Ausreden für Dich, entschuldige Dich bei mir selbst und verstehe, obwohl ich es nicht verstehe. Deine stumme Liebe, sie hat gewirkt, sie hat gereicht, will ich sagen, aber:
Dann und wann zweifle ich an all dem, was ich zu wissen, zu fühlen glaube, und dann bricht all das in sich zusammen, unter mir weg und über mir ein. Begraben von dem, was das Fundament hätte sein sollen, werden müssen.
Gefühle müssen ausgesprochen werden, damit sie von Deiner Realität in meine überschwappen.
Gefühle müssen zugelassen werden, damit sie von Deiner Realität in meine überschwappen.
Gefühle müssen gefühlt werden, damit sie von Deiner Realität in meine überschwappen.

Ich kann damit umgehen.
Ich fühle.
Ich fühle genauso intensiv wie du.
Das, was du fühlst – ist nicht falsch.
Das, was du empfindest – kann nicht falsch sein.
Ich sage nicht, dass du richtigliegst.
Aber Deine Gefühle sind echt.
Oder hast Du Dir einmal zu viel gesagt, dass sie falsch sind, keinen Platz haben. Du keinen Platz hast? Ich habe so viele freigehalten und erst vor ein paar Jahren dann doch freigegeben.
Seit so vielen Jahren schweigst Du aus Angst, wieder etwas falsch zu machen.
Wie fühlt sich das an, den eigenen Gefühlen nicht mehr vertrauen zu können?
Das, was Du damals gewollt, geliebt, gewünscht hast – war nicht falsch.
Gefühle sind nicht falsch.

heute (und immer wieder)
Nein! Nein! Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Verzeih mir. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Geh nicht. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte. Bitte.
Bitte.

„Du hast nichts getan, was ich Dir verzeihen müsste“, sagt er und meint es so.
Tränen laufen mir unaufhaltsam die Wangen hinunter – ich komme gar nicht hinterher mit dem Weinen -, wie emsige Ameisen tragen sie den Schmerz aus mir heraus und ich versinke, ertrinke darin. Meine Knöchel sind weiß, ich schreie in den Hörer und kralle mich in die Matratze. Keine Kraft mehr, um loszulassen. Keine Kraft mehr, irgendetwas zu tun, und gleichzeitig krampft alles und PPPPPPPPPPPPPPPPPANIK. PAPANIK macht sich breit.
Ich hatte den Sitzplatz so viele Jahre lang freigehalten.

und (damit bin ich mir nicht ganz sicher)
Wenn Du etwas sagst, dann klingt das immer so viel schöner, als es eigentlich ist. Du hast die Gabe, traurige Worte aneinanderzureihen, Melancholie zu verbreiten und damit jeden zum Lächeln zu bringen.
Meine Seele hat immer nach Deinen Augen gesucht.
Ich konnte das nie benennen.
Sprünge.
Hoffnung.

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