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Hinter geschlossenen Augen

O D E R :
T R Ä N E N  A L S  P R I S M A

Der Atem stockt. Aber das merke ich in dem Moment gar nicht.
Und dann dieses weiche Gefühl in den Augen. 
So fühlt es sich immer an.
Manchmal schließe ich dann die Augen und eine einzige Träne läuft über mein Gesicht.
Dann beiße ich mir auf die Lippe, Fingernägel bohren sich in meine Handinnenflächen.
Dieses Geräusch, wenn eine Träne auf das weiche Kissen unter meinem Kopf tropft.
Manchmal in die Ohrmuschel läuft.
Ich habe schon mal im Schlaf geweint.
Vor Verzweiflung. Und weil die Enttäuschung keinen Platz mehr hatte. Sie raus musste.
Im Streit, weil dieser eine letzte Pfeil ganz unverhofft genau den wunden Punkt getroffen hat, den ich sonst immer so gut zu verstecken wusste.
Und als er die Tür hinter sich schloss. Langsam. Leise. Mit Nachdruck aber.
Ich saß in der Dunkelheit auf dem Bordstein und habe mir die Seele aus dem Leib geheult, als mich mein erster fester Freund verlassen hat.
Hinter geschlossenen Augen ist es dunkler als schwarz und ich hatte die Hoffnung, dass ich, würde ich die Augen nur lang genug geschlossen halten, dann irgendwann auch einfach und endlich aufhören würde zu weinen.
Ein paar Jahre später im Bus, als ich den Anruf erhalten habe, ließ ich mir einfach die Tränen übers Gesicht laufen. Irgendwie dachte ich vorher immer, uns würde so etwas nicht passieren, und dann hat das Leben, wie es eben spielt, mir ein Bein gestellt – einfach, weil es das kann. Und ich hab geheult. Ein kleiner Junge, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, einen Lolli im Mund, sah mich neugierig an. Und ich ließ es zu. Ich sah in seine treuen Augen und weinte und er guckte und fühlte mich an.
Dann dieses betäubte Gefühl, als mir im letzten Jahr das erste Mal der Tod begegnete, ich steif durch die dunklen Straßen der Nacht lief, einfach um irgendetwas zu tun. Da waren es allein die Tränen, ganz langsam, beinah zäh liefen sie über mein Gesicht, die sich nach Leben angefühlt haben.

Hinter geschlossenen Augen ist es dunkler als schwarz und ich hatte die Hoffnung, dass ich, würde ich die Augen nur lang genug geschlossen halten, dann irgendwann auch einfach und endlich aufhören würde zu weinen.
Ein paar Jahre später im Bus, als ich den Anruf erhalten habe, ließ ich mir einfach die Tränen übers Gesicht laufen. Irgendwie dachte ich vorher immer, uns würde so etwas nicht passieren, und dann hat das Leben, wie es eben spielt, mir ein Bein gestellt – einfach, weil es das kann. Und ich hab geheult. Ein kleiner Junge, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, einen Lolli im Mund, sah mich neugierig an. Und ich ließ es zu. Ich sah in seine treuen Augen und weinte und er guckte und fühlte mich an.
Dann dieses betäubte Gefühl, als mir im letzten Jahr das erste Mal der Tod begegnete, ich steif durch die dunklen Straßen der Nacht lief, einfach um irgendetwas zu tun. Da waren es allein die Tränen, ganz langsam, beinah zäh liefen sie über mein Gesicht, die sich nach Leben angefühlt haben.

Manchmal sind Tränen eiskalt und brennen auf meinem warmen Gesicht.
Im November fühlen sie sich warm an auf trockener Winterhaut.
Und wenn alles zu viel wird und noch mehr, dann ist da dieses Schluchzen. Beinahe Jaulen. Dieser verbale Schmerz. Dieses bitterliche Weinen. Weinen. Weinen. Weinen. Und dann kurz tief Luft holen. Durch den Mund. Und weiter heulen. Kein Ende in Sicht. Der Schmerz, die Verzweiflung strömen aus mir heraus, nur damit ich direkt wieder darin ertrinken kann. Rote Augen. Weinen. Und irgendwann keine Kraft mehr. Und irgendwann einschlafen.

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Lachen ist schön und darf gerne laut und herzlich sein.
Wir lachen einander an.
Und Weinen?
Das auch. Das unbedingt auch!

Ich weine oft. Und viel. Bin nah am Wasser gebaut, sagen sie. Dabei stimmt das gar nicht. Ich bin nicht nah am Wasser gebaut. Vielleicht im Wasser. Ganz sicher aus Wasser. Das ist ein Unterschied. Aber eigentlich stehe ich doch nur ganz dicht bei meinen Gefühlen.
Wenn ich glücklich bin, dann lache ich.

Und wenn ich traurig bin, dann weine ich.
Klingt banal – wenn es das doch auch nur wäre.
Meistens eher: Und wenn ich traurig und allein bin, dann weine ich. Damit ich mich dann auch wirklich so fühle. Allein. Allein gelassen. Dabei habe nur ich mich allein gelassen. Allein mit dem, was da in mir vorging und rauswollte. Weil das irgendwie alle so gemacht haben. Weil das irgendwie alle so machen. Gläserne Augen. Ein verletzter Blick. Du kannst die Enttäuschung, die Tränen, den Schmerz förmlich greifen. Tränen? Als würden wir sie uns für Zuhause aufsparen. Als wären sie dort besser aufgehoben. Als würde es ein klein bisschen weniger wehtun hinter geschlossenen Türen. Geschlossenen Augen. Wir haben verlernt, in dem Moment zu weinen, in dem wir traurig sind. Das macht, dass wir weinen und der Grund gar nicht weiß, dass er der Grund ist. Wir wehren uns, Traurigkeit ihren Raum zu geben. Dabei ist Schmerz ohnehin allgegenwärtig. Tränen, die mir von den Wangen tropfen, sind wie eine Lupe und mein Schmerz sticht Dir ins Auge. Aber sieh doch hin. Meine Verletzlichkeit ist der Rest zu allem von mir – dem, was ich bin. Tränen auf meiner Haut lassen dich mich besser sehen.
Ich weine oft. Und viel. Andere weinen weniger als ich. Weniger oft. Mehr allein.

Lachen macht schön, sagt man.
Und Weinen?
Siehst Du mich jetzt in anderen Farben?
Denn ich tue das:
Liebe ist Licht
Träne als Prisma
Leben nach Wellenlängen auffächern

Fotos – Konstantin Walther

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