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Ich trage diesen Duft auf, den meine Mutter mir vor fünf oder sechs Jahren das erste Mal unter den Baum gelegt hat: Parisienne. Damals war es noch mein Traum, irgendwann mal in Paris zu leben. Damals habe ich gerade mit dem Bloggen angefangen. Wollte unbedingt erwachsen werden.


Ich verlasse vollbepackt das Haus. Schon auf dem Weg zur Straßenbahn reißt ausgerechnet die Schlaufe der Tüte, in der die Geschenke schaukeln. Am Bahnhof schnell ein Brötchen auf die Hand und dann mit viel zu vielen anderen Menschen am Gleis auf den verspäteten Zug warten. Nach einigen weiteren Strapazen und Streitereien mit den Mitarbeitern der Deutschen Bahn, treffe ich meine Schwester im Zug nach Hause. Sie kommt aus Amsterdam. Das letzte Mal haben wir uns in Lissabon getroffen.
Wir fallen uns in die Arme.
Ich werde kurz melancholisch und erinnere mich daran, wie wir früher – noch viel zu klein eigentlich – immer gemeinsam an Bahnhöfen standen, Züge verpasst haben und stundenlang aus dem Fenster die endlose Landschaft beobachtet, Maumau gespielt und Wilde Hühner Bücher verschlungen haben .
Wir tauschen uns kurz aus – sie hat seine Eltern kennengelernt, ich wieder niemand Interessantes getroffen. Der Magen knurrt.
Und dann kommen wir irgendwann an. Meine Schwester – noch mehr Taschen und Tüten und Koffer im Gepäck – verlässt als Letzte den Zug und wir drängen uns durch die Menschenmasse. Die Tüte mit den Geschenken wird immer schwerer, was vor allem daran liegt, dass ich sie tragen muss wie ein Baby – ihr wisst schon: der gerissene Henkel.

Eigentlich wollten wir unsere Mutter am Restaurant treffen – sie fährt noch schnell die letzten Einkäufe nach Hause. Nach Hause. Aber gerade als wir das kleine Bahnhofsgebäude verlassen, kommt sie uns – viel zu dick eingepackt – auf ihrem Fahrrad entgegen.
Wiedersehensfreude.
Ankunft.

Die Tage bis Weihnachten sind schnell vergangen. Wie immer: wir spielen Spiele und trinken Glühwein, obwohl keine von uns besonders viel Alkohol verträgt. Wir gehen kurz einkaufen, weil doch noch etwas fehlt. Und noch mal. Ach, Rewe hat doch bis 22 Uhr offen, sagen wir. Vergessen dabei aber, dass wir in einer Kleinstadt angekommen sind. Wir schmücken den Baum, was sich bei 13°C irgendwie noch absurder anfühlt, als es ohnehin schon ist und ich frage mich, ob es nach 20 Jahren nicht mal an der Zeit wäre, neue Kugeln für den Baum zu kaufen. Am Ende sieht er aus, wie in jedem Jahr. Mama bereitet den Kartoffelsalat. Er schmeckt wie immer. Auch wenn ich in diesem Jahr ein Sojawürstchen dazu auf dem Teller vorfinde. Für die nächsten Tage hat Mama die „beste Bio-Gans“, wie sie immer wieder betont, gekauft. Vielleicht erkläre ich ihr im nächsten Jahr mal, dass ich jetzt wirklich gar kein Fleisch mehr esse – Sorry Mama! Meine Schwester flechtet mir die Haare und streichelt mir über den Kopf, während unsere Mutter schon wieder in der Küche steht und vor sich hin murmelt, wieso sie denn alles allein machen muss. 
Weihnachten. Nach Hause. 
Dann wird es bei uns ruhig. Und manchmal auch etwas lauter.
Aber am Ende des Tages sitzen wir pappsatt und glücklich auf der roten Couch.
Wie seit Jahren.
Es ist nicht mehr der selbe Ort. Aber Kleinstadt.
Es ist nicht mehr die selbe Wohnung. Aber die gleichen Möbel, die alte Geschichten erzählen.
Ich bin nicht mehr die selbe. Aber wenn ich zu Weihnachten nach Hause komme, dann ist alles wie immer. Nach Hause kommen. 

Und auch wenn ich schon längst rausgewachsen bin, kann ich immer und jederzeit wieder kommen und noch mal in diese Rolle schlüpfen. Das ist wie, wenn man ein altes, damals heiß geliebtes Kleidungsstück wiederfindet – man passt gerade noch so rein, ein bisschen altmodisch vielleicht, aber es fühlt sich immer noch so fabelhaft an wie früher.

IMG_9739 IMG_9775 IMG_9818 IMG_9823 IMG_9950IMG_9919IMG_0047Jacke – Sheinside
Lederjacke – Pull&Bear
Hose – BikBok
Schuhe – Choies
Tasche – Accessorize
Kleid – Forever21
Spitzenbody – H&M 

Fotos – Clara
Bildbearbeitung – Vanessa Thiel

Kommentare

  • Luise

    Hey:) Schöner Text mal wieder und schöne Fotos. aber irgendwie wirkt der Text auf mich nicht so positiv, kleine negative konnotaionen… etwas bedrückendes schwingt mit. Ist das so oder liegt es an meiner Wahrnehmung?
    Beste Grüße und frohe Weihnachten dir 🙂

    25. Dezember 2015
  • L&A

    Toller Text Du Hübsche!

    Hab schöne Feiertage!

    Liebe Grüße,
    L&A
    http://www.lawayoflife.com

    25. Dezember 2015
  • Das sind wundervolle Worte zu Weihnachten.
    Immer wieder nach Hause kommen zu können ist ein schönes Gefühl.
    Ich hoffe, du hast ein schönes Fest, auch wenn es vielleicht so ist wie jedes Jahr. ;D

    http://fukurounoyuki.blogspot.de

    25. Dezember 2015
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