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Wenn ich mich selber beschreiben müsste:
ich bin launisch und lebensfroh, ich bin zielstrebig, ehrgeizig und liebe es, die Nacht durchzutanzen. Ich schreibe für mein Leben gern und ich möchte die Welt bereisen. Detailverliebt. Ich bin aufmerksam und Entscheidungen bereiten mir Bauchschmerzen. Die ich ohnehin ziemlich oft habe. Und Angst. Aber ich bin eine Meisterin im Überwinden. Ich bin blond und klein und wenn ich will auch ziemlich schlagfertig.
Es gibt vieles über mich zu erzählen. Und wer mich kennt, der weiß: ich bin eigen.
Natürlich: ich kann Smalltalk. Ich kann durch die Clubs der Stadt ziehen und mich über Belanglosigkeiten genau so gut freuen, wie aufregen.
Aber wenn ich ich selbst bin, dann bin ich eigen. Und da sind meine Launen wohl noch die kleinste Hürde. Ich durchlebe in einer Minuten gern mal fünf verschiedene Emotionen und halte es dabei nicht für nötig, mich zu erklären. Ich denke zu viel, aber lass’ vieles davon nur leere Zeilen wissen. Breche Diskussionen ab, wenn es in meinem Kopf zu laut wird. Ich bin stark und betone immer wieder, dass ich niemanden brauche – brauche aber nichts mehr als eine Umarmung. Und dann weine ich einfach drauf los, damit ich ein paar Augenblicke später wieder strahlen kann.
Das ist ein kleiner Teil der Wahrheit.
Das ist ein kleiner Teil von mir.
Ich bin einzigartig. Und nicht gerade einfach.
Wir alle sind einzigartig. Und nicht gerade einfach.

Wir begegnen uns gelegentlich auf der Clubtoilette. Hallo. Und Küsschen.
„Du warst die beste beste Freundin, die man sich wünschen kann.“, schreibt sie mir.
Ich scrolle durch ihr Instagramprofil und kann es kaum fassen, dass sie heute ihren Traum lebt.
Und wir treffen uns zufällig auf der Straße. Eine flüchtige Umarmung. Wie geht es Dir?


Jeder von Euch war mein Seelenverwandter. Dachte ich. War ich mir ganz sicher. Und: vielleicht war es zu dem Zeitpunkt auch so. Vielleicht hatten wir das Glück, einander gefunden zu haben.
Aber wären wir uns dann heute so fremd?
Ich frage mich einfach: Hätten wir einander gehen lassen, wenn wir tatsächlich Seelenverwandte gewesen wären?
Oder meinst Du, wir begegnen uns irgendwann mal wieder?


Ich frage mich einfach, ob wir unsere Chance vertan haben. Und wie viele noch kommen werden. Seelenverwandte, meine ich. Chancen. 
Wäre es nicht schön, die Gewissheit zu haben, dass da immer jemand ist, der dich voll und ganz versteht. Ich meine versteht, nicht zu verstehen versucht. Nicht nur die gleichen Interessen, sondern die gleiche Leidenschaft. Gespür.
Vielleicht ist es absurd danach zu suchen. Vielleicht ist es übergeschnappt zu glauben, dass da draußen irgendwo jemand ist, der mir so ähnlich ist und dabei genau die Unterschiede aufweist, die es braucht, dass wir es miteinander aushalten. Und es ist ganz sicher viel zu schmerzhaft, herauszufinden, bei wem es sich lohnt, sich zu offenbaren. Die Seele. Alles, was man hat.


Ich frage mich einfach, ob ich irgendwann den Mut verlier’.
Den Mut, mich zu offenbaren. Meine Seele. Alles, was ich hab’.

IMG_2400Foto – Vanessa Thiel

Kommentare

  • Das ist ein sehr tiefgründiger Beitrag. Das gefällt mir. Ich mag deine Art zu schreiben.
    Es hilft, da glaube ich fest dran, sich einzugestehen, wer man wirklich ist. Dann kann man seine Schwächen besser erkennen und kann ehrlich mit sich sein. Jeder von uns ist in seiner eigenen Art eigen. Auch wenn ich in vielen deiner aufgelisteten Eigenschaften so ganz anders bin, frage ich mich doch auch, wie viele Chancen einem das Leben so bietet, sich mit den Menschen zu umgeben, die einen wirklich verstehen, die kapieren, was ich will, was ich bin, wer ich bin.

    Bleib dir selbst treu
    Liebste Grüße
    Katharina
    von http://www.somekindoffashion.de

    12. Juni 2016
  • wunderschöner Text. Die Frage mit der Seelenverwandtschaft stelle ich mir tatsächlich auch sehr oft. Und auch die, dass zwei Menschen sich finden werden, wenn sie zusammen gehören. Das sie erneut zueinander finden. Nur leider ist es eben so, dass wir unser Leben in die Hand nehmen und weitermachen. Ich fühle deine Gedankengänge so sehr. und dann plötzlich ist er weg. und man denkt er war es.

    12. Juni 2016
  • Wieder mal ein Text in dem ich mich so oft wiederfinde.. Es ist als würdest du die Geschichte meiner einst besten Freundin und mir beschreiben.
    „Wäre es nicht schön, die Gewissheit zu haben, dass da immer jemand ist, der dich voll und ganz versteht. Ich meine versteht, nicht zu verstehen versucht. Nicht nur die gleichen Interessen, sondern die gleiche Leidenschaft.“ Genau so etwas Wertvolles hatten wir, aber irgendwie haben wir beide unseren Teil dazu beigetragen, dass wir es und somit uns verloren haben..

    12. Juni 2016
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