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Als ich auf dem Gymnasium erfuhr, dass Freundschaft nicht gleich Freundschaft bedeutete.
Als ich mitten während der Pubertät – schmollend natürlich – zugab, dass Mama mir wirklich nichts böses will, wenn sie mir dieses oder jenes verbot.
Als ich mir mit 16 – nach monatelangem Herzschmerz – endlich eingestehen konnte, dass ich ein Problem hatte.

Als ich feststellen musste, dass ich noch lange nicht so erwachsen bin, wie ich es dachte, als ich das erste Mal auf mich allein gestellt war.
Als ich in der 12. Klasse endlich anfing den Zusammenhang zwischen all‘ dem Erlernten zu erahnen.
Als ich im Studium begriff, dass das Abitur eigentlich so entspannt war.
Als ich im September letzten Jahres bemerkte, dass ich die Welt bereisen will.
Als mir vor Kurzem erst klar wurde, dass ich den Abschied noch lange nicht verarbeitet habe.

Ich blogge seit mehr als fünf Jahren. Ich schreibe meine Gedanken in Tagebüchern nieder, solang ich Buchstaben sinnvoll aneinander reihen kann. Tagtäglich. Und jedes Mal komme ich zu einer neuen Erkenntnis. Jeder Text, jeder Blogpost, beinahe jeder zu Ende gebrachte Gedanke bringt eine Einsicht mit sich. Das klingt ja an sich erstmal fabelhaft. Veränderung. Entwicklung. Begreifen. Das Problem an der Sache ist nur, dass ich jedes Mal ganz sicher bin, dass ich meine endgültige Meinung, das richtige Ergebnis gefunden habe. Und blicke dann mit einem Schmunzeln auf die letzen Tage zurück. Selbstherrlich. Immer wieder. Jetzt weiß ich’s besser. Wie konnte ich vorher so unwissend durch die Welt spazieren? Lege jedes Mal auf’s neue die Scheuklappen ab.

Mit der Zeit kam ich mir selber damit irgendwie lächerlich vor. Will endlich mal das gestern bestätigt haben. Ich habe richtig gelegen. Das wusste ich schon! Ich fing an mich zu fragen, wieso das so lange dauert. Wie weit ist es denn noch? Wie lang ist der Tunnel? Wann sind wir hier endlich fertig? Das hält doch den Verkehr auf. Ich ärgerte mich und wünschte, dass mir jetzt und sofort ein Licht aufgeht. Ein Feuerwerk. Was ich wissen will? Was ich erwarte? Ich möchte jetzt verstehen. Ich möchte jetzt wissen. Ich möchte jetzt die richtige Einstellung zum Leben haben. Ungeduldig.

Ich bin ein „Work in Progress“ – Schon wieder ein englischer Titel. Aber besser kann ich es nicht beschreiben. Ganz frei würde ich das zu deutsch so übersetzen: Ich bin eine Baustelle. Englisch ist dann doch besser, oder? Aber mir gefällt die Metapher: ich bin eine Baustelle. Und beinahe täglich wird hier gewerkelt, geschraubt – aber nicht geteert. Und vielleicht ist das gut so.
Natürlich ist es frustrierend, wenn man immer wieder umgraben muss. Dieses Loch nochmal aufreißen. Eine Schraube locker drehen.
Aber ich bin froh, dass ich mich nicht festgefahren habe. Ich lasse es zu. Ich muss nur lernen, dass ich mir nie sicher sein kann. Und das ist gut so.
Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Und heute: als ich einsah, dass das alles noch lange kein Ende hat.

baustelle2 _MG_3261_300ppi_webbaustelle3 _MG_3275_300ppi_webRock – Forever21 / Oberteil – Zara / Jacke – Sheinside / Schuhe – Asos / Tasche – Patricia Field 
Fotos – Lina Scheffran

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Kommentare

  • Und schon wieder so ein wunderschöner Post! Die Fotos sind absolut Klasse, du siehst wunderschön aus und die Location ist sowieso der Hammer.
    Es ist deutlich zu erkenne, dass Kleinstadtcarrie garkeine Kleinstadtcarrie mehr ist, sondern viel mehr die erwachsene Carrie aus New York City. Toll!

    Liebste Grüße von Helena <3
    http://letsmakeanewtomorrow.blogspot.de

    5. Mai 2015
  • Diese „Baustelle“ könnte ich genauso sein. Ich weiß selbst wie frustrierend es ist immer wieder umgraben zu müssen und das Loch neu aufzureißen um noch so kleine Dinge zu ändern – zu reparieren. Aber weißt du was das Gute daran ist? Es wird dadurch keinen Stillstand geben und wir weren unseren Weg auf jeden Fall gehen.

    Dein Outfit sieht übrigend wunderschön aus und passt meiner Meinung nach super nach New York.

    Liebe Grüße
    Luise | http://www.just-myself.com

    5. Mai 2015
  • Irre schönes Outfit! Ein bisschen wie AnnaSophia Robb in Carrie Diaries 🙂 Aber das macht sich richtig gut.
    Und ich glaube diese Erkenntnis aus deinem Text ist richtig wichtig. Man sollte sich bei sehr vielen Dingen einfach nicht so festfahren. Zu schnell hat man schon wieder eine andere Perspektive dazu bekommen.

    5. Mai 2015
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