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Meine Bräune ist bereits verblasst und auch meine Gelassenheit habe ich irgendwie schon wieder verloren. Seit mehr als zwei Wochen bin ich  schon wieder in Deutschland, im Alltag und rein gar nichts hier – außer meiner Beine, die sind nämlich noch braun, und das tägliche Basteln am Fotoalbum – erinnert mich an das Leben auf der anderen Seite der Welt.
Es wird früher dunkel, im Supermarkt lächeln mich Schokoweihnachtsmänner verschmitzt an und ich muss zu Hause wieder dicke Socken tragen. Der Herbst liebkost uns noch, aber der Winter steht vor der Tür und mit ihm nicht nur das leckere Gebäck, weihnachtliche Heimlichkeiten und kuschelige Filmabende, sondern auch eine Menge Arbeit. Ich will mich nicht beklagen – ich kaufe verdammt gern Weihnachtsgeschenke, schmiede Pläne und setze sie um, schreibe gern bis spät in der Nacht an neuen Blogposts, interessante Seminare an der Uni sind verlockend und mit ganz viel Motivation trete ich bald einen neuen Job an. Aber – ich habe Angst um meine Freizeit, um Zeit für meine Freunde, Familie, für mich.
Die letzten zwei Jahre waren arbeitsintensiv. So viele Treffen mit Freunden haben nicht stattgefunden, Kaffee habe ich zu oft allein getrunken und ich wäre so gern viel öfter durch die Nacht getanzt.
Und gerade dann, als ich das Gefühl habe, mich aus diesem riesigen Wirrwarr, aus dieser endlosen To-Do-Liste heraus zuschaufeln, … merke ich, dass ich das gar nicht kann, gar nicht will. Sobald eine Aufgabe wegfällt, suche ich mir eine neue. Ich arbeite gerne an Dingen, die mir Freunde bereiten. So sehr, dass ich gelegentlich vergesse, dass das überhaupt Arbeit ist. Und genau das ist die Tücke an diesem sagenumwobenen „das Hobby zum Beruf machen“ – es fällt schwer zu unterscheiden, zu trennen, abzuschalten. Und ohne das man es merkt, gerät man in ein Hamsterrad – man rennt und rennt und rennt, aber es bewegt sich eigentlich gar nichts mehr, man hat zwar das Gefühl, dass Leben würde an einem vorbei rasen, aber das ist eine Illusion. Und dann muss man aussteigen, das große Ganze betrachten und sich selbst und seine Lieben. Und dann versteht man vielleicht – ich kann es nur hoffen -, dass man die ganze Zeit auf der Stelle trat und hat neue Ideen. Plötzlich erzeugt man dann mit der Bewegung elektrische Energie. Arbeitet Hand in Hand und nicht mehr nur allein.
Wir müssen aussteigen, ausschalten. Ein Herbstspaziergang. Ohne Fotos! Kein Tweet! Einfach so. Für dich selbst. Und dann kommt die Erkenntnis. Und die Inspiration.

Also nehme ich mir hier und jetzt offiziell vor, dass ich mir Zeit nehme. Dass ich mich so organisiere, dass Zeit bleibt. Und das ich auch den Mut haben werde, Aufgaben zu streichen, wenn sie mir über den Kopf wachsen.

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Kommentare

  • Kim

    Sehr schöner Post Luise,
    ich kann gut nachvollziehen wie du dich fühlst, zu oft habe auch ich das Gefühl einfach nur zu funktionieren, ohne überhaupt auch mal auf sich zu achten, auf Hobbys oder Freunde.
    Aber es ist nun einmal nicht leicht die To- Do Liste beiseite zu legen, und mal einen Punkt nicht abzuarbeiten.
    Allerdings haben deine Worte mich dazu inspiriert vielleicht doch einmal über meinen eigenen Schatten zu springen 🙂
    Liebe Grüße, Kim

    16. Oktober 2014
  • Wieder schön und sehr bewusst geschrieben! Ich denke, dass ein Leben oft viel lebendiger und in der Summe auch erfüllter ist, wenn man so intensiv und viel arbeitet wie Du. Denn ich habe es erlebt, dass ich aus vermeintlichen „Zertreuungen“ wesentlich weniger zufrieden und beflügelt herausgegangen bin, als wenn ich mit Leidenschaft und Engagement an einer Sache gearbeitet habe. Dennoch ist die Balance zwischen Arbeit und Muße auch unabdingbar, und ich bin überzeugt davon, dass Du auch diese – genauso wie die anderen Dinge die Du Dir vorgenommen hast – bestens hinbekommen wirst.

    Liebe Grüße, Rena

    http://www.dressedwithsoul.com

    16. Oktober 2014
  • Sehr schön geschrieben! Ich finde es toll wenn man sein Hobby zum Beruf macht und seiner Leidenschaft nachgeht. Mir tuen kleine Meditationen am Abend gut, damit ich über alles reflektieren kann.
    Großes Kompliment auch an den Fotografen, das Licht auf den Bildern sieht bezaubernd aus!

    joliejanine.blogspot.com

    16. Oktober 2014
Seiten:1 2 3 9
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