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Ich bin schon immer der Sonnenschein. Damit will ich nicht angeben oder mich gut verkaufen. Es ist einfach so. Im Kindergarten nannten sie mich Goldmarie. In der Grundschule habe ich mich immer sehr vorbildlich verhalten. War von der fünften bis zur zwölften Klasse Klassensprecherin. Stand beim Schultheater als Hauptrolle auf der Bühne. Die Lehrer mochten mich. Und jeden Tag trug ich Lipgloss auf, um mich wohler zu fühlen. Referate sind meine Stärke, sodass sie gar nicht bemerkten, dass ich auch mal schlechtere Noten im Schriftlichen hatte.
Ich strahlte. Strahle. Habe immer eine Menge zu erzählen. Bin viel unterwegs. Es hat sich herumgesprochen, dass ich schreibe, blogge. Das ist hier im Ort etwas Besonderes.
Vorbildlich. Jeden Tag ein neues Outfit. Die Nächte durchtanzen. Komplimente.
Gute Laune. Drei Mal die Woche im Fitnessstudio. Immer einen motivierenden Spruch auf den Lippen. 
Menschen, die mich nicht kennen, nie etwas von mir gelesen haben – die denken, dass es mir immer irgendwie gut geht. Dass ich kleine Hürden einfach so meistere. Bewunderung. 
Das fühlt sich großartig an. Aber es ist auch beängstigend, ein Vorbild zu sein.
Weil du plötzlich noch mehr Angst vor Fehltritten hast. Weil du immer bedacht bist, alles richtig zu machen.
Ich treffe falsche Entscheidungen.
Ich habe falsche Vorstellungen.
Ich irre mich.
Ich mache Fehler.
Täglich.
Aber ich habe – aus welchem Grund auch immer – gelernt, nach Außen gefasst zu wirken. Selbstsicher. Glücklich. Habe mich jahrelang in meinen Tagebüchern versteckt, dort Trost gesucht und irgendwie gefunden. War nicht soweit. Konnte es nicht aussprechen. Vor niemandem weinen. War mir meiner Schwächen schon immer bewusst und habe sie seither mit allen Mitteln kaschiert.
Und irgendwann kamen wir in ein Alter, in dem wir anfingen, darüber zu sprechen. Anfangs zaghaft und mit Bedacht. Irgendwann immer ehrlicher. Tränen. Aufmunternde Worte. Eine Umarmung vielleicht.
Aber die Menschen sind enttäuscht, wenn die Fassade bröckelt. Sie kehren dir den Rücken, wenn du nach so langer Zeit, endlich mal einen Fehler begehst und bereust. Wenn du es aussprichst. Wenn du einknickst. 
Aber du kannst nicht erwarten, dass eine Blume für immer weiter blüht, wenn du sie abreißt und in eine Vase stellst. Sie welken. 
Fotos verblassen. 
Mauern werden porös. 
Gesichter bekommen Falten. 
Und erst wenn du jemanden kennenlernst, erfährst du die Macken in der einst so makellosen Oberfläche.
Ich habe dich enttäuscht. Konnte nicht stand halten. Aber hast du wirklich geglaubt, dass ich keine Fehler mache? Hast du wirklich geglaubt, dass ich das aushalte? Hast du wirklich geglaubt, dass es in meinem Leben keinen Grund zum Weinen gibt? 
Habe ich dieses Schauspiel so perfektioniert? 
Keine Antwort. Nur eine kühle Schulter. Ein abgewendeter Blick. Verachtung.

Dann verschließt man sich wieder. Schlüpft in die weiße Weste, die alle Narben verbirgt. Ein bisschen Lipgloss. Ein Lächeln, mit dem ich niemandem in die Augen sehen kann. 
Die Sonne scheint.
Ich strahle.

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IMG_0192IMG_0208Bluse – Zara
Hose – Bershka
Jacke – Bershka
Schal – BikBok
Schuhe – Forever21
Tasche – Rebecca Minkoff
Ohrringe – Madeleine Issing
Kette – Orsay
Uhr – Marc Jacobs

Fotos – Vanessa Thiel Fotografie

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Kommentare

  • Es tut gut zu lesen, dass es unperfekte Menschen gibt 😉 Wenn Freunde sich abwenden, die hinter die Fassade geschaut haben, dann sind es keine Freunde.

    Genieß dein Leben und denkt dran: Ein Lächeln sagt ja auch mehr als 1000 Worte 🙂

    2. November 2015
  • Latifa

    Luise, Helden sind keine Helden, weil sie nie fallen, sondern weil sie wieder aufstehen ubd weitergehen, wenn es kein anderer tut! Wir lieben sie ihrer Narben wegen. Sonst wären Menschen Puppen, wenn sie perfekt und makellos wären- leer und nicht vorbildlich!
    Liebste Grüße <3

    2. November 2015
  • Liebe Luise,
    ich kann das Lächeln und das Ausstrahlen des immer glücklich seins absolut nachvollziehen. Ich bin da genauso. Umso trauriger ist es, wenn du die Kraft hast dich zu öffnen und nur auf eine kalte Schulter triffst. Genau in solchen Momenten will man doch eigentlich nur in den Arm genommen werden, verstanden werden. Ich hoffe sehr, dass du andere Menschen in deinem Leben hast die das tun und dir nicht die kalte Schulter zeigen, wenn du die Stärke beweist offen zu sein. Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft! Und dein Lächeln ist trotzdem bezaubernd.
    Ganz liebe Grüße
    Nadja

    2. November 2015
Seiten:1 2 3 13
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