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Ich habe gelacht, getanzt und immer weiter Inhalte produziert, die Tage und Nächte unter freiem Himmel verbracht, Pläne für die Zukunft geschmiedet, geredet, mich mit Leuten umgeben – daran ist nichts Schlechtes, nichts Verwerfliches. Keinesfalls. Das macht glücklich. Glücklicher. Das schafft Erinnerungen. Gemeinsame.
Und ich habe das aufgeschrieben. Immer wieder. Wie vieler meiner Texte haben genau mit diesen ersten Satz begonnen? Ich habe aufgeschrieben, wie glücklich ich bin. Wie optimistisch. Arbeitswütig. Gut drauf. Wem genau wollte ich etwas vormachen?
Euch. Freunden und Familie. Immer wieder beteuerte ich: es ist alles okay. Und vor allem mir. Eine heile Welt. Die gefällt den Leuten doch? Das wird geklickt. Und gelikt. Und dann habe ich vergessen, wer ich bin. Warum ich das hier mache.
Und man lebt immer in dem Glauben, dass einem selber so etwas nicht passiert.

Ich habe mir immer und immer wieder eingeredet, dass ich positiv bleiben muss, dass ich dabei ganz vergessen habe, dass die Traurigkeit auch irgendwo hin muss. Habe meine Wunden versteckt und dabei gar nicht gemerkt, dass ich fast verblute.
Ich wollte stark sein und gleichzeitig zart. Rosa. Ich wollte aufmuntern und nicht aufgemuntert werden. Warm. Kuschelig. Gemütlich. Ich musste der Fels in der Brandung sein – schon wieder. Und dabei wurden einige unter den Lawinen begraben, die ich losgelassen habe. Ohne es zu merken. Weil ich mich darauf konzentriert habe, stehen zu bleiben. Ganz egal wie. Und dann: unterspült. Wasser sucht sich seinen Weg. Schmerzen fressen dich von innen auf. Enttäuschung richtet etwas an, das man nicht einfach ignorieren kann. Widerstand zwecklos.
Ich habe überspielt. Ich habe aufgehört, meine Gefühle zuzulassen. Ich habe so getan, als würde mir das nichts anhaben können. Habe mir viel weniger Gedanken gemacht als früher. Natürlich ist auch mein 14-jähriges Ich, dass jedes noch so kleine Detail immer wieder durchdacht hat und jeden Tag weinend eingeschlafen ist, kein Maßstab und erst Recht kein Ideal, – aber das ist mein Charakter. War er. Ein Teil zumindest. All’ das lag vielleicht auch daran, dass ich früher viel weniger Freunde hatte, öfter mit mir allein war, diese Kämpfe ohne Armee austragen musste.
Doch obwohl ich diese heute habe. Wunderbar ausgebildet mit Geschichten aus meinen Erinnerungen. Ausgerüstet mit Handschuhen, die wissen, wie man mit mir umgeht. Sie waren soweit. Aber ich war es nicht. Eingeschüchtert von so viel Zuneigung. So viel Wohlwollen. Immer noch misstrauisch.
Aber diesmal wollte ich stärker sein. Diesmal wollte ich darüber stehen. Nicht schon wieder so ein Drama. Keine Tränen! Ich bin erfolgreich. Und ich bin herzlich. Ich trage rosa, statt blau. Es ist Sommer, es ist heiß und wir stoßen jetzt auf das Leben an.

Und jetzt hat es Klick gemacht. Ich weiß nicht genau, wer oder was den Lichtschalter gefunden hat, aber:
Ich bin erfolgreich. Ja. Und ich wurde verletzt. Ich wurde missverstanden.
Und ich muss das verarbeiten. Darüber nachdenken. Weinen. Zulassen. Ich darf das. Und es ändert rein gar nichts an meinem Erfolg. Oder daran, dass ich für andere ein Vorbild sein kann. Ich darf traurig sein. Ich kann blau tragen. Aber den Sonnenschein behalte ich mir bei.
Denn ganz egal, wie schrecklich die Situation ist – ein Lächeln auf den Lippen hilft. Eine positive Grundeinstellung hält auf den Beinen, lässt einen wieder aufstehen.
Dieser Teil gehört zu mir – dass ich geliebte Menschen nicht gehen lassen kann. Dass ich mir alles zu Herzen nehme. Dass ich auch mal ein ganzes Wochenende nur mit mir selbst und etwas zu Schreiben verbringe. Das gehört zu mir. Aber heute ist da noch mehr. Das geht beides. Man kann glücklich betrübt sein. Man kann am Boden zerstört lächeln. Es ist okay, wenn man nach einer durchtanzten Nacht in’s Kissen weint.
Das braucht Platz. Schwäche ist vollkommen okay. Tränen sind vollkommen okay. Und blau steht mir, wenn ich dazu ein Lachen kombiniere. Ich bin kein rosa Püppchen mit dem immer gleichen eingefrorenen Lächeln.

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Kleid – Bluse aus der Übergrößenabteilung C&A | Tasche – TKMaxx | Schuhe – Mango | Gürtel – H&M | Kette – Leonardo | Brille – Asos

Fotos – Julie Schönewolf

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Kommentare

  • Ich könnte deine Texte ja jeden Tag lesen und dein Outfit passt perfekt zum Ganzen. Ich kann mir noch erinnern, als du die Bluse bei Snapchat ganz stolz gezeigt hast und fand sie damals schon großartig und wusste, dass sie dir stehen wird.

    Liebe Grüße
    Luise | http://www.just-myself.com

    24. Juli 2015
  • Ich muss sagen, als ich Dein Outfit gesehen habe, dachte ich sofort „Back to the roots.“. Es erinnert mich total an Deine Anfänge hier auf Kleinstadtcarrie, bei welchen Du oft Outfits mit Deiner schönen dunkelbraunen Tasche, einem passenden braunen Gürtel/brauner Uhr und dazu abgestimmt dunkelbraunen Schuhen getragen hast. 😉

    Liebste Grüße,
    Lisa von Ash Blonde

    24. Juli 2015
  • Liebe Luise,

    dein Text ist wirklich mal wieder besonders – das ist nichts Neues! Er ist ergreifend, zum Nachdenken, zum träumen und mitfühlen. Ich weiß gar nicht, was er alles in mir aufgerüttelt hat – aber du hast so Recht – du bist nicht das rosa Prinzesschen und das muss du auch gar nicht sein. Du bist eine starke erwachsene Frau und wenn es dir mal nicht gu geht, dann darfst du auch weinen – das ist vollkommen ok und gehört zum Leben dazu! Du hast ein sehr großes, bewundernswertes Talent mit Worten umzugehen. Du schaffst es immer wieder, mich zu inspirieren!

    Ganz besonders passend finde ich zu deinen Worten die wunderschönen Bilder! Dass du auf den Bildern blau trägst und lachst gefällt mir sehr! Bitte mehr davon, noch mehr! Ich sauge deine Posts auf und freue mich jedes Mal auf mehr von dir!

    Ach und nächstes Mal, wenn ich dich sehe, spreche ich dich auch mal an, war beim youtube Event irgendwie alles so hektisch. aber ich würde mich gern mal mehr mit dir unterhalten, denn du bist wirklich eine große Inspiration für mich!

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Ganz liebe Grüße
    Anna

    24. Juli 2015
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