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aus „Wurzeln zu Blüten“
  -  aus „Wurzeln zu Blüten“ (Page 2)

"Was sagst Du, wenn Du nicht genug bist. Wenn Du jemandem nicht genug bist. Wenn Du der Person, die alles für Dich ist, nicht genug bist. Nicht mehr genug. Wie fühlt sich das an, nicht genug zu sein? Nicht überzeugend genug. Nicht schön genug. Nicht schlau genug. Irgendwas war nicht genug, denn sonst wärst Du nicht gegangen. Es hat Dir nicht gereicht. Es hat

"Ich sehe mich im Spiegel an. Es ist nicht wirklich kalt, aber ich habe trotzdem ein bisschen Gänsehaut. Ich lasse das Handtuch, was ich gerade noch fest um mich gewickelt hielt, fallen. Bikinistreifen. Gänsehaut. Ich. Ich sehe mich an. Atme tief ein und aus. Ruhig. Keine hastigen Bewegungen. Kein Eincremen. Kein Tanzen. Kein Mann. Einfach nur ich. Und dieses Geräusch, wenn man die eigenen Hände sanft zu Fäusten

"Ich schlaf’ gern im 12-Bett-Zimmer. Und ich esse mit fremden Menschen zu Abend. Lass’ uns ein Bier trinken und quatschen. Und wenn wir uns danach nie wieder sehen? Ist das auch okay.  Irgendwie sind wir doch alle immer auf dem Weg. Auf dem Weg irgendwohin oder vor irgendwas weg. Also: es ist okay, wenn Du morgen weiter ziehst. Weiter ziehen musst. Man trifft: so

 "Ich halte Euch fest. Und alles, was ich tun kann ist: eine Umarmung. Oder mehr. Aber dann müsst ihr Euch beruhigen. Den Blutdruck senken. Auswaschen. Und die Wunde desinfizieren. Und dann braucht das Luft und ehrliche Worte. Dann braucht das Zeit und ein magisches Schutzschild. Eins, mit dem wir uns vor allem anderen beschützen können, aber nicht voreinander. Nicht voreinander beschützen müssen." Der ganze

"Denn manchmal, wenn ich Anderen hier auf diesem Weg begegne, schauen die mich ganz schief an. Als würde irgendwas fehlen. Und dann schaue ich an mir herunter. Und da ist alles da: zwei Füße, zwei Beine und sogar meinen Rucksack, Proviant und ein Kopf voller Ideen. Ein Herz schlägt in meiner Brust, hat seinen eigenen Takt. Und in ihm mein Kompass. Ich habe

"Dresden trauert. Aber Dresden lebt. Lebt wieder. Die Frauenkirche steht. Wir haben uns erholt. Soweit das geht. Und wir trauern noch immer – und auch das ist okay. Aber Aleppo brennt. Keine Zeit zu Trauern. Busse. Hochkant. Blut. Schreie. Tot. Angst. Mama! Und das ist es doch, weshalb ihr alle so wütend seid. Weil diese drei Busse Euch ermahnen. Erinnern. Hilferufe. Jeden Tag. Sie bedeuten Leid und Tod

"Ich weiß, dass ein Teil von mir immer noch bei Dir ist. Ein Ladekabel, die pinke Zahnbürste, das Nutellaglas mit meinem Namen drauf und jeder meiner Gedanken. Das Kabel nutzt du täglich. Die Zahnbürste längst im Müll vielleicht und du kratzt gierig den letzten Rest Nutella aus mir. Und wenn mein Gesicht in Deinen Gedanken auftaucht, dann wischst Du es weg, wie ein paar lästige

„Guten Morgen“, sagt er. Nimmt sie von hinten in den Arm und küsst ihr in den Nacken. Sie hatte nur eines seiner Hemden übergeworfen. Ist gerade dabei ihren ersten Kaffee zu trinken und einen Blick in die Zeitung zu werfen. Die Nacht hängt an ihnen. Und das ist diesem Fall etwas Gutes. Sie atmet tief ein. Er hebt sie auf die Küchentheke. Der ganze