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Es war ein Montag. Eigentlich finde ich Montage gar nicht so schlimm. Eigentlich mag ich Montage sogar: eine neue Seite in meinem Terminplaner, eine neue To-Do-Liste für die Woche. Ein neuer Tag. Montags bin ich motiviert. Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Und nachdem ich einige Zeit in der Uni verbracht habe, trudeln auch schon die ersten E-Mails ein: tolle Ideen, Einladungen gemeinsam kreativ zu werden. Montags wird der Schreibtisch aufgeräumt, werden die Gedanken geordnet und Blumen gekauft.
Und dann gibt es da diese Tage – bei mir war es der letzte Montag – da klappt einfach gar nichts. Ein ganz persönlicher Freitag, der 13. Da fallen Busse aus, da fehlt die Erleuchtung beim Blind Date, Habe ich das wirklich vergessen?, da klingelt das Telefon einfach nicht. An solchen Tagen liegen die Haare nicht so, wie sie sollen und der Kleiderschrank ist noch leerer als der Kühlschrank. Achtung, in der Küche liegen Scherben!
Eigentlich ist es 
egal, wie man diesen Tag allgemeinhin bezeichnet, aber plötzlich heißt es dann „Ich hasse Montage!“. Obwohl der doch gar nichts dafür kann, dass ich Dinge gelesen habe, die nicht für meine Augen bestimmt waren. Für mein Herz. Der kann nichts dafür, dass es Menschen gibt, die unfreundlicher nicht sein könnten. Der kann nichts dafür, dass sich diese dicke graue  Wolke genau dann vor die Sonne schiebt, als er gerade das erste Mal auf den Auslöser knipsen möchte. Ach Man! Heute klappt ja auch wirklich gar nichts! Plötzlich fange ich an, an jedem und allem zu zweifeln. Er ist so weit weg, das Wetter ist ätzend und dann stehen auch noch die Prüfungen bevor. Alles ist jetzt zu viel und am liebsten würde ich mich unter meiner Bettdecke verkriechen. Will über Liebeskummer schreiben, obwohl ich keinen habe. Will weinen, ganz ohne Grund. Ganz ohne Grund? Ja. Eigentlich ist es gar nicht dieser Montag. Es ist auch nicht dieser Tag. Und wenn ich mal ehrlich bin, ist auch nichts bestimmtes passiert. Ich bin es. Ich will einfach traurig sein. Und pessimistisch. In diesem Moment wünsche ich mir drei Tage Regenwetter. Eine romantische Tragödie nach der anderen, Schokolade und Selbstmitleid. Eine extra große Portion. Ich will jammern. Heute will ich mal nicht gut drauf sein, niemanden mit meiner Motivation anstecken, einfach den Kopf in den Sand stecken.
Hätte ich das doch nur heute früh schon gewusst oder hätte einfach mal auf meinen Körper gehört. Manchmal muss man einen Gang runterschalten. Termine absagen, Pläne verschieben. Wir wollen immer 110% geben, besser werden, alle E-Mails beantworten, lernen und nebenbei noch Geld verdienen. Und: es ist verdammt noch mal nicht einfach.
Wie schaffst du es immer so motiviert zu sein? Ich bin es nicht immer. Man muss auch mal schlecht drauf sein dürfen. Das ist gar nicht so einfach zwischen strahlenden weißen Zähnen und gesunden Snackideen auf Instagram und all‘ den anderen fleißigen Bloggerinnen, Studenten, Menschen. Aber man muss traurig sein dürfen. Manchmal auch ohne Grund.
Wie schaffst du es immer so motiviert zu sein? Ich bin es nicht immer. Das ist der Trick. Ich bin manchmal einfach traurig und belasse es dabei. Ich habe keine Motivationsbibel, die ich dann aufschlage. Ich weine, rauche vielleicht eine Das-Leben-ist-so-scheiße-Zigarette und schreibe ein paar Zeilen in mein Tagebuch, was nur darauf zu warten scheint, neue Geheimnisse zu erfahren.
Aber dann muss auch wieder Schluss sein. Fernseher aus, Decke aufschlagen und weiter gehts. In das Lieblingsteil schlüpfen, ein bisschen Lipgloss – Brust raus, Bauch rein – und Los! Und: das muss funktionieren, wenn da gerade niemand ist, der dir hoch hilft. Du musst das auch alleine schaffen!

Das war doch klar! Ich packe alles in meine Tasche und schaue auf. Da sehe ich mich selbst im Fensterglas gespiegelt. Ich sehe aus wie ein begossener Pudel. Dabei ist das Kleid doch eigentlich so schön. Dabei habe ich mir doch extra beide Arme verknotet um mir die Haare selbst zu flechten. Dabei geht es mir doch eigentlich gut. Und da war doch diese Mail heute morgen, die mir ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern konnte. Ich lächle mein zartes Spiegelbild an, das sieht irgendwie unbeholfen aus. Heute war ein doofer Tag. Ja. Und dann habe ich mich einfach drei Mal gedreht, getanzt, gelacht. Und, als hätte  ein besonders kitschiger Regisseur die Anweisung gegeben, brachen einige schwache Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke. Aber gerade genug. Manchmal reicht das. 

 

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Kommentare

  • Paula

    Ich kann das Gefühl sehr gut verstehen, das geht mir auch manchmal so. Du bist sehr hübsch.. auf dem Bild siehst du aber noch dünner und zerbrechlicher aus als sowieso schon.. Hast du abgenommen oder ist es nur das Bild? Lieber Gruß

    2. Juli 2014
  • Ich bewundere dich jedes mal wenn ich einer deinen tollen Texte lese, dein Schreibstil ist einfach toll und inspirierend! Habe mich heute auch mal an einen persönlichen Text getraut, vielleicht hast du ja Zeit bei mir vorbei zuschauen, würde mich rießig freuen! Er ist zwar nicht perfekt und viel zu lang aber aus meinen Erfahrungen entstanden und ehrlich.

    Wünsche dir noch einen wunderbaren Tag 🙂
    Liebste Grüße <3

    2. Juli 2014
  • hach – manchmal bin ich ja doch n kleines bisschen in dich und deine texte verliebt =D =D

    2. Juli 2014
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